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Third
Art-Nr.: 1764104
Um das Jahr 2000 hatten Geoff Barrow und Beth Gibbons schon einmal mit der Arbeit an einem dritten Album begonnen. Die Ergebnisse waren ihnen jedoch nicht weit genug entfernt vom bisherigen Schaffen, das Projekt wurde daraufhin abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt. Ein mutiger und kluger Schritt, der die Band auf lange Sicht gerettet hat. Denn auch, wenn ein drittes „Dummy“ sich gewiß ausgezeichnet verkauft hätte, so wäre es doch nur die Erfüllung eines Klischees gewesen und mithin langweilig. Mit jenem Debüt hatten Portishead etwas Unglaubliches geschaffen; nicht weniger als eine der einflußreichsten LPs der letzten 30 Jahre. Das Manifest des Bristol Sounds, Blaupause für alles, was an sogenanntem Trip Hop anschließend kam – einschließlich des eigenen zweiten Albums, das zwar nicht schlechter war, aber die Grenzen dieses musikalischen Feldes auch bereits deutlich erkennbar werden ließ. Portishead-Musik lief in Seifenopern wie in Politmagazinen, war eine zeitlang buchstäblich überall, weil überall gerne gehört. Die Melancholie in diesen LPs war eben nicht hoffnungslos, man konnte noch kuscheln dabei. Das kann man bei „Third“ nicht: man klammert sich höchstens ängstlich aneinander. Keiner dieser Songs hätte auf „Dummy“ oder „Portishead“ Platz gehabt. Die merkwürdig-gospelartige Akustik-Nummer „Deep Water“ nicht, das direkt anschließende, brutale und verstörende „Machine Gun“ schon gar nicht. Wäre nicht Beth Gibbons’ vertraute Stimme, man würde die Band kaum erkennen – und die sinistren Klänge, oft aus den Tiefen historischer Analog-Synthesizer hervorgeholt, auch kaum aushalten. Sie führt einen durch das Album, diese Stimme; man traut ihr, doch nur, weil einem nichts anderes übrig bleibt. „They make Radiohead look like The Monkees“, schrieb ein britischer Kritiker. Eine Polemik, gewiß, und unnötig respektlos gegenüber einer der besten und interessantesten Bands, die wir haben. Wer sich das erste Mal durch „Third“ hindurchgehört hat, wird den Satz aber nachvollziehen können. Ein sehr, sehr düsteres Meisterwerk ist der Band hiermit gelungen; ein Album, das seinen Klassikerstatus schon bei Erscheinen verliehen bekommt. Trip Hop war gestern, jedenfalls für diese Band. (2008)
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