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Ballets / Die Ballette (Der Feuervogel; Petrusc...
Art-Nr.: MLP3
Die drei großen Strawinsky-Ballette sind hier zu einer Box versammelt – und man sollte, so man irgend kann, sich die Zeit nehmen, um sie einmal komplett durchzuhören. Natürlich wirkt jedes Werk auch für sich genommen; die Dorati-Einspielungen zählen neben denen von Ansermet und Monteux zu den besten der Ära, klanglich sind’s Sternstunden der Aufnahmetechnik. Aber die Entwicklung des Komponisten (in kaum vier Jahren!) läßt sich anhand dieser Box, mit Interpretationen aus einer Hand, großartig nachvollziehen: Der „Feuervogel“ (SR90226, London Symphony Orchestra), der erste große Erfolg des Komponisten, hat noch hörbare Verbindungen zur Tradition der russischen Romantik, noch mehr zum französischen Impressionismus. Der „Petruschka“ (SR90216, Minneapolis Orchestra) grenzt sich da bereits sehr deutlich ab; die verschwimmenden Pastelltöne des Impressionismus sind verschwunden, die Klangfarben streng nach Instrumentengruppen sortiert und ungeheuer strahlend; gleichzeitig ist die Sprödigkeit des Materials des Hauptdarstellers (eine Holzpuppe) geradezu haptisch nachvollziehbar. Die Rhythmik ist fast wichtiger als die Melodik. Kaum faßbar, das nur ein Jahr zwischen den Uraufführungen dieser Werke liegt. Zwei Jahre später freilich finden wir uns abermals in einer anderen klanglichen Welt wieder. Die Schockwirkung, die das „Frühlingsopfer“ (SR90253; ebenfalls Minneapolis) bei seiner Uraufführung im Jahre 1913 hatte, ist bekannt. Das hatte zwar mußmaßlich auch mit dem Bruch mit dem klassischen Ballett zu tun (das „Sacre“ erzählt keine Geschichte), doch hatte Strawinskys Musik sich gleichzeitig weiter radikalisiert: Ein atemberaubendes, auf Anhieb kaum nachvollziehbares (in der musikalischen Gegenwart des Werkes schon gar nicht), respektloses Spiel mit Tonalität, dessen verstörende Wirkung durch exzentrische Rhythmuswechsel potenziert wird. Hört man unmittelbar danach noch einmal den „Feuervogel“, so steht man vor einem Rätsel: Eine solche Entwicklung in einem so kurzen Zeitraum ist recht einzigartig in der Musikgeschichte (man könnte freilich die Entwicklung der Rockmusik von 1965-1969 anführen…) – Alle drei legendären Mercury-LPs liegen hiermit nun als Box (selbstverständlich trotzdem mit dem jeweiligen Originalcover) in hervorragenden Speakers Corner-Überspielungen vor; Einzelausgaben sind nicht geplant.
(1959/2008)
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